Aiguille de Sialouze (3576m)06.08.2006: Aufstieg zum Refuge Pelvoux 2700mWir sind ca. 340 Tage später [nach dem letzten Eintrag in meinem Tourenbuch] wieder mal auf dem Campingplatz, auf dem es morgens so kalt ist, da die Sonne erst so spät [9:15 Uhr] hinter den Felsen hervorkommt. Heute sind wir um 13:00 von Ailefroide aus zum Refuge de Pelvoux aufgestiegen. Wir befinden uns gerade dort und ich schreibe im Aufenthaltsraum diese Zeilen. Unsere Sachen (Schuhe, Socken, Funktionswäsche) liegen nach dem knapp dreistündigen Aufstieg draußen auf den Felsen und trocknen. Wir haben schon die Rucksäcke ins Lager gebracht und uns ein wenig mit Hilfe des Führers an den Bergen orientiert.
Die Rucksäcke wiegen einiges, was daran liegt, dass sie fast das gesamte Kletterzeug inklusive Keile, Friends, Expressen usw. enthalten. Dazu kommen noch die Steigeisen und der Pickel, sowie ein paar Eisschrauben. Die Winterausrüstung haben wir beim Aufstieg im T-Shirt nicht gebraucht, jetzt ist es allerdings schon zu kalt draußen, um sich dort noch aufzuhalten, da viele Quellwolken die Sonne verdecken. Morgen gibt es um 3:30 Uhr Frühstück. 07.08.2006: Aguille de SialouzeDas Abendessen ist ziemlich gut gewesen (4 Gänge). Beim Abendessen dachte ich es wäre bestimmt eine ziemlich interessante Arbeit für einen Psychologen, das „Essenaufteilverhalten auf Hütten in spontan gebildeten Gruppen“ zu untersuchen. [Für alle die noch nicht auf Hütten gewesen sind, muss man das vielleicht ein bisschen näher erklären: Man bekommt einen Tisch zugeteilt, an dem man mit ca. 10 anderen Bergsteigern essen wird. Das Essen kommt in riesigen Schüsseln auf den Tisch und dann muss es natürlich aufgeteilt werden. So, das natürlich alle etwas abbekommen, aber man selber sich natürlich auch nicht zu viel oder zu wenig nimmt.] Im Lager hatten wir den ganzen oberen Teil für uns. Die Nacht begann gegen 21:00 Uhr und war etwas unruhig (so wie man eben in den Lagern auf Hütten schläft).
Chuck und ich stiegen abwechselnd vor und nach der fünften Seillänge stieß Chuck auf den ersten größeren Stau. Er war erschreckt von den Sicherungstechniken der anderen Kletterer, die waghalsige Manöver begingen, während sechs oder acht Leben an einem einzigen geschlagenen Haken hingen.
Der weitere Abstieg war auch nicht gerade leicht. Die festen Schneefelder, die morgens im Dunkeln noch so hart waren, dass wir die Steigeisen benötigten, waren nun in der Sonne ziemlich matschig und somit schwerer zu begehen geworden. Ein kleines Rinnsal, das nachts noch dünn aus einem Gletscher sicherte und kein Problem darstellte, war in der Sonne zu einem großen tosenden Bach geworden, den wir nur durch mutige Sprünge überqueren konnten.
Um 17:00 Uhr erreichten wir endlich die Hütte, wo wir schnell einen Tee tranken, um den Flüssigkeitsmangel zu bekämpfen. Nach einer kurzen Pause wurden die schon schmerzenden Füße wieder in die feuchten Stiefel eingesperrt und wir setzten mit unseren nun noch ein wenig schwereren Rucksäcken den Weg ins Tal fort. Als wir gegen 20:00 Uhr den Parkplatz erreichten war die Luft fast völlig raus und wir entschieden uns, zum Abendessen in die lokale Pizzeria zu gehen. Da wir ca. eine halbe Stunde später feststellen mussten, dass diese leider dicht gemacht hatte [wir waren das Jahr zuvor dort], blieb uns nur noch der Rest Milchreis vom Vortag, bevor wir in unserem Zelt vom Schlaf übermannt wurden. |
||||||||