Vorweihnachtliche MilchshakeexperimenteEs war im Jahre 2008 an ein
einem Abend kurz vor Heilig Abend. So kurz war es dann auch
wieder nicht, aber man konnte immerhin schon Schokoweihnachtsmänner
kaufen und brauchte eine Jacke, um den Weg ins Einkaufzentrum
zurückzulegen. Gerade in dieser Zeit der kurzen und rauen Tage ist es besonders wichtig, Anker zu finden, um sich aus den umweltbedingten emotionalen Löchern herauszuziehen. Man macht dies meistens, indem man seinem Körper etwas Gutes tut, das dieser dann mit einer gewissen Gewährungsfrist erst im nächsten Jahr wieder abtrainieren muss. Dieses Gute, das man dem Körper tut hat in der Vorweihnachtszeit natürlich immer etwas mit weihnachtlichen Genüssen zu tun. Tim und mein Spezialgebiet (selbstvergebenes Gütesiegel) liegt im Bereich der Milchmixgetränke. Sehr nahestehende Personen wurden sogar schon einmal zu unseren Milchmixeskapaden eingeladen. Einmal hatten wir eine Freundin von Tim dabei. Jedenfalls war also dieses Mädchen damals die erste Person, der wir diese Ehre zu Teil werden ließen. Unsere Shakes haben sie erstaunlicherweise nicht so beeindruckt, wie wir das erwartet hätten... eine herbe Enttäuschung. Aber das liegt sicher daran, dass es eben ihre "subjektive" Einschätzung war. Wie kleinkariert. Was wir brauchen ist also, dass unsere Shakes sogar nach "objektiven" Gesichtspunkten der Hammer sind. Also haben wir es angefangen, wie man so etwas eben anfängt: Wir haben uns vor ein leeres Blatt Papier gesetzt und unsere Architektur geplant. Dabei sind wir komponentenorientiert vorgegangen und haben zuerst den Grundstock, dann die Beigaben und schließlich die Veredelung für verschiedene Shakes definiert. Ausgegangen sind wir von zwei verschiedenen User-Stories und haben so auf dem Papier zwei orthogonale Produkte entwickelt. ![]() Bewaffnet mit unseren Entwürfen
(Dilletanten würden es Einkaufszettel nennen), sind wir in die
winterliche Landschaft aufgebrochen, um im längst geschwundenen
Tageslicht zur nächstgelegenen Beschaffungsstelle zu gelangen. Wir
hatten eine Digitalkamera von Tims Schwester zur Dokumentation dabei
und einen Stift zur Verfeinerung der Entwürfe sowie dem Refactoring und der Evolution der
ToDo-Liste (= "abstreichen der beschafften Zutaten"). ![]() Wir haben dann doch eine ganze
Menge Zeit darauf verwendet, die Resourcen zu akquirieren... aber so
eine Sache benötigt eben einen gewissen Vorlauf. Da kann jeder gerne
mal auf den Meilensteinplan gucken, den er oder sie vor dem
regelmäßigen Wochenendeinkauf erstellt. ![]() Wo wir gerade bei Themen aus
der Informatik sind, bringe ich gleich noch das Buzz-Word Data-Mining
unter. Wir präsentieren im obigen Foto den ultimativen
Testfall für eine Warenkorbanalyse. Mittlerweile ist ja nicht mehr
Data-Mining das Buzz-Word sondern auch die Integration heterogener
Datenbestände. Zu diesem Zweck haben wir den Moulinex-Mixer-05-Ansatz
benutzt, was aber in den späteren Fotos erklärt wird. Wie heterogen
unsere Bestände waren, haben wir selbst später auch gemerkt. ![]() Nächster Punkt: das
Online-Bezahlverfahren mit dem die "Phase 2, Beschaffung" nun
abgeschlossen war. Der Prozess ging über in "Phase 3, Implementierung",
die durch das gleiche Team etwas später durchgeführt wurde. Danach
schloß sich die "Phase 4, Testphase" an. Wir endeten den
Gesamtprozess mit "Phase 5, Bewertung und Ausblick". ![]() Das wichtigste bei
einer wissenschaftlichen Herangehensweise ist der Versuchsaufbau und
die Einhaltung der Rahmenbedingungen wie z.B. eine saubere
Laborstätte. An dieser Stelle danken wir herzlich Tims Mutter für die
Bereitstellung und das fortwährende Facility-Management der notwendigen
Infrastruktur auch über die normale Wartungsphase hinaus. ![]() Lange geübt und immer wieder aufgespart, nun findet er Anwendung: der Gesichtsausdruck, der würdig ist, mit ihm Geschichte zu schreiben. Natürlich
sind die äußeren Gegebenheiten extrem wichtig für ein Gelingen des
Projektes. Wo es aber auch drauf ankommt, ist die gekonnte Durchführung
der Arbeiten, die dauernd reflektiert wird und im Notfall ein
sofortiges Gegensteuern ermöglicht. In unserem Fall waren wir
bestens auf alle Begebenheiten vorbereitet. Wir hatten sozusagen die Köpfe
der Kellerküchen-Milchmixgetränk-Mixer-Szene vor Ort. Quasi zwei Senior
Shake Consultants on Duty. Tropischer FruchtshakeSolange
es geht, kann man ja noch die Verweigerungstaktik verfolgen und sich
nicht dem Winter hingeben, indem man besonders sommerliche Shakes mixt.
In unserem Fall haben wir versucht, die Tropen auf 150
Kubikzentimetern zu reproduzieren. ![]() Die erste Zutat: ein tropisch
fruchtiger Fruchtsaftmix (man muss das Rad ja nicht vollständig neu
erfinden). ![]() Nach dem Abmessen der Zutaten war Tim wieder mal am Drücker (durchaus wörtlich zu nehmen). Der freudige Blick und der Finger am An-Knopf kündigen einen 750 Watt Tropensturm an, der uns als geeignete Maßnahme erschien, die liebevoll kombinierten Fertigprodukte zu einem ganz neuen geschmacklichen Erlebnis zu vereinigen. ![]() Ganz wichtig ist natürlich, dass neben dem Ego auch das Auge mitisst/mitschlürft. Wie unsere Priosierung auf dieser Ebene ist, sollte klar sein, trotzdem wollten wir die Shakes ein bisschen hübsch herrichten. ![]() Man hat als Laie gar keine
Vorstellung davon, wie schwierig es ist, Froot Loops in der Luft zu
fotografieren. Da wir keine Fernsehköche sind, bedeutete jeder weitere Fotoversuch eine Verfälschung unseres Endprodukts. Fertig!!! Fruchtig, frisch und lecker direkt zum Genuss aus dem Glas. ![]() Die Produktanalyse und
Projektnachbereitung hat folgende Probleme und Lösungsvorschläge
abschließend identifizieren können: Prob.1.A_2008_12_10_RinGül:
Die Strohhalmverzierung erschwert ein Ansetzen des Mundes am
Strohhalmende. Lösungsvorschlag: Strohhalm nach dem Verzieren umdrehen und unverziertes Ende zum Trinken benutzen. Prob.1.B_2008_12_10_RinGül:
Es ist nicht möglich, die knackigen, dem Shake beigemischten Froot
Loops durch den Strohhalm zu saugen. Lösungsvorschlag: Zuliefererproblem, dickere Strohhalme fordern. Weihnachtlicher All-In-One ShakeDie
Verdrängungstaktik hört natürlich auch irgendwann auf. Mit jeder Stunde
kamen wir dem Weihnachtsfest näher. Waren es anfangs noch ca. 336
Stunden bis zum Heiligen Abend, so waren es nun mit Sicherheit nur noch
333,5 Stunden bis zum Fest. Also holte uns die Sentimentalität der
weihnachtlichen Stimmungen und Gefühle ein, die sich ja bekanntlich
auch auf die Geschmacksnerven niederschlägt. Der nächste Shake sollte
ein reiner Weihnachtsshake sein, mit dem alle erdenklichen
Gaumenassoziationen auf einmal abgedeckt werden sollten. Dabei haben wir allerdings nicht wirklich alle weihnachtlichen Geschmäcker abdecken wollen. Den traditionellen Gänsebraten wollten wir z.B. nicht über Beigabe eines Gänsefonds aufnehmen. Auch für den neumodischen Heilig-Abend-Kartoffelsalat fiel uns keine geeignete Zutat ein. ![]() Hier sieht man die Zutaten, die
wir Zwecks Erstellung des Shakes mit Weihnachten verbunden haben. Es
ist einfach, die große und romantische Gundkomponente "Bratapfel" zu
erkennen: Apfelmus als Basis gefüllt mit Rosinen, veredelt mit Zimt
und für das besondere Etwas auch noch Schokosauce obendrauf. Neben
Bratäpfeln sind auch Butterspekulatius eine sehr weihnachtliche
Angelegenheit und sollten natürlich nicht fehlen. ![]() Frisch
gespült war der Mixer bereit für die nächste Runde. Fallendes
Apfelmus zu fotografieren ist übrigens etwas einfach als fallende Froot
Loops, da die Konsistenz relativ sämig ist. Trotz der Assoziation mit
dem Bratapfel wollten wir unseren Shake, wie man es bei Shakes macht,
kalt genießen. Durch die besondere Auswahl der Zutaten gehen wir
positiv davon aus, dass der Endanwender diesen Abstraktiosschritt
schafft. Realisiert haben wir ihn über die Zugabe von Vanilleeis. ![]() Vanilleeis ist eigentlich bei
fast jedem unserer Shakes eine Grundlage. Unser berühmtester
Shake, den Starbucks mittlerweile unter dem Namen "Banana Java
Chocolate Chip" verkauft, basiert in der Grundversion auch auf
Vanilleeis anstelle der in den Filialen verwendeten gestoßenen
Eiswürfel. Wahrscheinlich war dies jedoch bei den
Strategieentscheidungen von Starbucks eine absichtliche
Verschlechterung der Qualität, um Urheberrechtsverletzungen uns
gegenüber zu vermeiden. ![]() In der einleitenden Aufzählung
der Zutaten habe ich lapidar von "Rosinen" gesprochen. Eine genauere
Untersuchung dieses Terms ist jedoch notwendig. Als ich mit Tim im
Laden stand, waren wir jedenfalls anfänglich davon überfordert, die
richtigen Trockentrauben zu finden. Es gibt neben Rosinen auch mit
"Sultaninen" beschriftete Beutel. Manche Dörrfrüchte sind kleiner, andere
größer. Es gibt sogar speziell ausgezeichnete Varianten, die sich
besonders für das Müsli oder fürs Backen eignen sollen. Speziell für
Shakes haben wir keine gefunden, aber schließlich geht es ja allen
Pionieren so, dass sie Neuland betreten und sich mit dem abfinden
müssen, was da ist. ![]() ![]() Jedenfalls haben wir in unserem
damaligen Stammsupermarkt die Bedienung
ganz schön auf Trab gehalten. Nach längeren Beratungsgesprächen durch
das Personal haben wir uns dann zurückgezogen und eine Entscheidung
getroffen. Am Ende haben wir einfach das Verhältnis Dicke der
Trockenfrüchte zu ungefährem Preis betrachtet. Dabei wurde der Preis
nicht gleich gewichtet mit dem anderen Kriterium, denn schließlich geht
es uns doch allen darum, dass wir die dicksten Rosinen für uns bekommen. Wie immer mit dabei: die Shokosauce. Dieses Mal hatten wir es geschafft, eine kleine Flasche Sauce zu kaufen. Normalerweise wollen wir immer Klotzen und nicht Kleckern und nehmen die große Flasche. Da wir sie an einem Abend nicht verbrauchen und der Abstand unserer kreativen Schaffungsphasen immer relativ groß ist, steht sie irgendwann in Tims Kühlschrank und verliert neben ihrem Geschmack auch nach und nach ihre Konsistenz und ihre Ansehnlichkeit. ![]() Unser
Shake schien tatsächlich ähnliche Stadien durchlaufen zu haben. Es gibt
eine schöne Szene zu Beginn des Films "Das fünfte Element": Bruce
Willes sammelt verkatert in seiner Wohnung die Reste des Vorabends in
seinem Mixer (u.a. auch Pizzastücke und Restbier aus einer Dose). Der
Abend war sicher gut gewesen und die Komponenten an sich gar nicht mal
schlecht, den Shake jedoch musste bestimmt ein Double trinken. Wer schon einmal feuchte Spekulatius oder durchgeweichte Butterkekse gegessen hat, könnte eine Ahnung haben, wie der Shake sich kombiniert mit dem dickflüssigen Apfelmus und den klebrigen halbzerrissenen Sultaninen auf dem Gaumen angefühlt hat. Die spannende Frage zum Schluss: War es denn gut? ![]() | ||